historische Öllampe des 14. und 15 Jahrhunderts

Ganz gleich ob historisches Reenactment, spannendes Liverollenspiel oder einfach nur ein gemütlicher Sommerabend auf der eigene Terrasse, immer wieder stellt sich die stilvolle aber trotzdem funktionale Beleuchtung als Problem dar. Elektrisches Licht ist wenig stimmungsvoll, unambientig und kostet teure Batterien. Kerzen funktionieren schon besser, sind aber nicht windstabil und werfen nach unten immer ihren eigenen Schatten. Moderne Öllampen sind auch windanfällig und das Petroleum ist ekelhaft, chemisch und beschädigt und verdreckt jeden Gegenstand mit dem es in Berührung kommt.

Zum Glück gibt es da aber noch den guten Ralf Doms, den Lichtermacher. Er hat sich der Rekonstruktion historischer Leuchtmittel verschrieben und mir gezeigt wie man eine historische Öllampe baut, die besser funktioniert als alles andere und darüber hinaus erstaunlich günstig herzustellen und zu betreiben ist.

   Lampe

   Hier seht ihr erstmal zwei zeitgenössische Darstellungen dieser Beleuchtungstechnik aus dem frühen 15. Jahrhundert.

Besonders gut sieht man, dass die Lampen an der Decke angebracht sind. Dies zeigt die für Flammenbeleuchtung untypische Fähigkeit Licht direkt nach unten zu werfen.

Die Bilder sind aus der wohl besten Quelle für historisches Bildmaterial:
Imareal der Uni Wien: Bild 1, Bild 2.
  
   Lampe

   Und das braucht Ihr zum Basteln:

- ein Windlicht, am besten mit spitzen Boden, aber mit flachem Boden geht es auch (Baumarkt ca. 2,00 )
- ausreichend rustikale Kette (Baumarkt ca 2,00 )
- 2 Zangen
- 1 Korken
- Naturfasergarn (Baumwolle, besser ist Leinen)
- alte Nagelschere
- etwas Draht
- ein Stück Blech (Lochblech klappt am besten)
- ein Messer
- eine Blech- oder Gartenschere
  
   Lampe

   Um die Kette zu kürzen, zusammenzufügen oder generell zu verarbeiten, nehmt Ihr einfach die beiden Zangen.
Sucht die Naht am Kettenglied. Billige Dekoketten sind in aller Regel nicht verschweißt.
Dann nehmt Ihr die beiden Zangen und verdreht das Kettenglied in sich um ca. 1/8 Drehung.

Jetzt könnt Ihr andere Kettenglieder nach belieben ein- und aushängen.

Danach das Kettenglied einfach mit den Zangen wieder vorsichtig mit einer Drehbewegung zubiegen.
  
   Lampe

   Damit die Lampe nachher gerade und sicher hängt, braucht Ihr eine Dreipunktaufhängung. Das klingt komplizierter als es ist:

Öffnet wie oben beschrieben das letzte Kettenglied an der Hauptkette und hängt einfach drei gleichlange Kettenstücke daran.
Die Kettenstücke sollten ca 10-15cm lang sein. Zählt am besten die Kettenglieder ab!
  
   Lampe

   Falls Euer Windlich nicht sowieso schon eine schicke Aufhängung hat, könnt Ihr einfach ein Stück Kette um das Glas herumlegen und verbinden.

In diesen "Kettenreif" hängt Ihr im gleichmäßigen Abstand die drei Hängeketten ein - aufbiegen, einhängen, zubiegen!

Auch hier hilft wieder Kettenglieder zählen.

Anstatt eines Kettenreifs könnt Ihr auch eine Fassung aus Draht drehen oder sogar aus Holz sägen oder mit Weide oder Bast flechten.
  
   Lampe

   Jetzt drückt Ihr einfach das oberste Kettenglied auf einer Seite ein. So formt Ihr einen Haken.

Ihr könnt die Kette jetzt einfach über Euer Zeltgestänge werfen und in sich selbst einhaken.
  
   Lampe

   Fertig ist die Aufhängung!

Hier hab ich einfach mal mein englisches Pintglas eingehängt. Auch alte Weingläser funktionieren recht gut. So kann man auch für die Endzeittaverne eine hübsche Beleuchtung zaubern.
  
   Lampe

   Weiter geht es mit dem Schwimmdocht.

Hier von links nach rechts zu sehen die Herstellung der Schwimmkörper:
Schneidet vom Korken ca. 1 cm dicke Streifen ab und halbiert diese.
Von den Korkenstücken schneidet Ihr die Ecken ab, um eine kompaktere Form zu bekommen.
  
   Lampe

   Den Dochthalter macht Ihr aus dem Blech.

Schneidet einen "dreizackigen" Stern aus. An den Enden und in der Mitte müsst Ihr zuvor Löcher bohren, wenn Ihr nicht sowieso Lochblech verwendet.

Man kann auch einen dickeren Draht nehmen und die Sternform kunstvoll biegen. Der Drahtkorb einer Sektverkorkung bietet sich hier an. Wichtig ist, dass dieses Bauteil feuerfest und nicht zu klobig ist.
  
   Lampe

   Vom Draht schneidet Ihr jetzt drei kurze Stücke ab. Biegt diese über die Zange zu Krampen.  
   Lampe

   Hier seht Ihr die Bauteile des Schwimmdochtes:

- 3 Krampen
- 3 Schwimmkörper
- den Dochthalter
  
   Lampe

   Jetzt steckt Ihr die Schwimmkörper an den drei Ärmchen des Dochthalters fest.

Steckt die Krampen einfach durch den Kork und biegt die Enden der Krampen mit der Zange um.

Am besten baut Ihr gleich mehrer Schwimmer, da sie nicht ewig halten. Ich brauche bei 4 Lampen im Dauerbetrieb ca. 1-2 neue Schwimmer pro Sasion.
  
   Lampe

   Jetzt geht es an den eigentlichen Docht:

Ihr braucht den fertigen Schwimmer, das Naturgarn, die kleine Schere und eine Fädelhilfe aus einem zusammengeknickten Stück Draht.

Die Dochte selbst sind Verbrauchsmaterial. Ich bastle sie zu jedem Event neu und schmeisse die alten nach dem Abbau weg. Man kann sie auch mehrfach verwenden, aber wer will schon gerne die öligen Dochte von Markt zu Markt schleppen.
  
   Lampe

   Die Dochte selbst werden nicht geflochten sondern nur gewickelt.

Wickelt das Garn einfach ein paar Mal um Eure Finger.

Die Fadenbündel sollten nicht zu dick sein, da sonst der Schwimmer den Docht "abdrückt" und so kein Öl aufsteigen kann.
  
   Lampe

   Hängt jetzt in den Garnkranz oben und unten einfach die geknickten Drähte ein. Sie fixieren die Fadenbündel nach dem Durchschneiden und vereinfachen das Einfädeln in den Schwimmer.

Schneidet dann das Bündel einfach in der Mitte durch.
  
   Lampe

   Mithlife des Drahtes lässt sich der Docht ganz einfach in das Mittelloch des Schwimmer einfädeln.

Haltet den Docht gut fest wenn Ihr den Draht wieder herauszieht.

Der Docht sollte oben maximal 6-7 mm herausschauen. Ist er zu lang rußt die Lampe, ist er zu kurz gibt es keine ordentlich Flamme.
  
   Lampe

   Jetzt zum Befüllen der Lampe:

Wenn Ihr die Lampe aufgehängt habt, befüllt Sie zu einem Drittel mit Wasser, dann zu einem Drittel mit billigem Speiseöl. Das obere, leere Drittel im Glas dient als Schwapp- und Windschutz.

Das billige Speiseöl brennt am besten, kostet unter 2,00 pro Liter und ist haut- und umweltfreundlich; und wenn es mal auf die Gewandung tropft ist nicht alles gleich eingesaut.

Das Wasser hat sogar drei Funktionen: einmal spart es Öl, zum zweiten streut es das Licht der Flamme und zum dritten und wichtigsten löscht es die Flamme wenn die Lampe mal herunterfallen sollte oder wenn das Öl leergebrannt ist. So platzt das Lampenglas nicht und die Lichter sind sicherer als jede Kerze.
  
   Lampe

   Setzt nun den Schwimmer mit Docht vorsichtig in das Öl. Lasst ihn langsam von unten sich vollsaugen und platziert ihn dann sachte in das Ölbad.

Wartet einige Zeit bis das Öl ganz in den Docht gezogen ist bevor Ihr die Lampe anzündet.

Das allererste Anzünden dauert manchmal ein bisschen, da das Öl seine Zeit braucht um zu verdampfen. Ein Docht der schonmal gebrannt hat lässt sich deutlich besser entzünden.
  
   Lampe

   Hier sieht man wie wunderbar die Lampe auch die Fläche unter sich beleuchtet.

Hier trifft mal wieder mein Motto für's Larp zu: Ist es ein Larp-Problem, löse es modern! Ist es ein Alltagsproblem, löse es historisch!
  
   Lampe

   Sollte die Flamme rußen, dann ist der Docht zu lang. Mit etwas Übung schafft Ihr es sogar den Docht während er brennt mit der Nagelschere zu kürzen.

Einen zu kurzen Docht herausziehen ist da schon aufwändiger.

Viel Spaß damit! Ich hoffe, dass der Eine oder die Andere jetzt ihre LED-Funzel im Zelt doch gegen was schöneres austauschen kann.